Dienstag, 15. September 2009

Mittelburgenland in Wien

Die Winzer des Mittelburgenlandes (auch Blaufränkischland) waren gestern auf Besuch in der Wiener Hofburg. Fast alle waren sie vertreten. Ob die großen Namen wie Gesellmann, Heinrich oder Gager, sie waren gekommen und wurden streng nach Alphabet den Tischen zugeordnet. Jeder durfte fünf Weine kredenzen - wie immer eine klare Versuchsanordnung.

Bei dreiundvierzig Winzer und Winzerinnen macht dies rein rechnerisch über zweihundert Weine, und das ausschließlich Rotweine. Lediglich das Weingut Ernst aus Deutschkreuz hatte einen Grünen Veltliner dabei.

Nun ist mein Ansatz ein doppelter. Zum einen bei einigen Weingütern „nachzuschmecken“ ob die Qualität noch stimmt. Und andererseits neue Güter kennen zu lernen oder auch spontane Entdeckungen zu machen. Zum ersten Punkt: Weingut Artner macht nach wie vor feine Weine, der Vitikult von Gager (3) besticht immer noch. Das Weingut Hufnagel ist mit allen vertretenen Weinen ziemlich unerreicht. Hier gibt es einen reinsortigen Merlot 2006 (3-4), der auch diese Sorte fein und luftig wirken lässt – ein kleines Highlight zu einem mehr als fairen Preis.

Bei einigen Cuvées ist die Preisgestaltung ein wenig wie Lotterie, teuer ist nicht immer auch mein Geschmack. Weine weit jenseits der 15 Eurogrenze müssen sich die Frage der Berechtigung eines solchen Gegenwertes schon gefallen lassen. Und ein besonderes Geschmackserlebnis ist in vielen Fällen leider nicht gegeben. Gute Qualität alleine ist auf einem so globalisierten Markt, wie der Weinmarkt heute nicht alles.

Nun zu den weniger bekannten Weingütern. Das Weingut Strehn aus Deutschkreutz liefert mit seinem Cuvée Kult (2-3)einen interessanten Wein, der wie ich meine schwer zu entschlüsseln ist, die Sorten Blaufränkisch, Zweigelt, Cabernet und Merlot sind so vermischt, dass keine Sorte die Oberhand hat, zusammen allerdings haben sie doch etwas Ungewöhnliches. Auch der Preis stimmt.

Mehr befassen konnte ich mich mit dem Weingut Mayrhofer aus Horitschon. Bei einem Rebbestand von etwa 10 ha werden nur 4 ha selbst gekeltert und vermarktet. Der St. Laurent 2008 (2-3) ist mild und ein feiner Tischwein. Winzersohn Christian ist mit Leidenschaft und einer gesunden Portion Selbstbewusstsein noch am ständigen Suchen und Finden seiner Schwerpunkte. Die Grundsubstanz Ehrlichkeit macht ihn sympathisch. Das Weingut präsentiert zwei Cuvées Johannes (2007) und mayred (2007), die beide gelungen sind, denen aber die ganz persönliche Note noch abgeht. Der Mittelburgenland DAC Dürrau (2006) (3) hat Potenzial und trinkt sich ausgezeichnet. Insgesamt ein zukünftiger Hoffnungsträger, dessen Zeit noch kommen wird.

Donnerstag, 27. August 2009

ACHTUNG - Sauvignon blanc bei Hofer

Offensichtlich gab es eine Änderung beim Abfüller, der von mir gut bewertete Wein wird nicht mehr bei Pewal-Wein aus Kitzeck abgefüllt, sondern bei einem Abfüller aus Graz. Dieser Sauvignon blanc kann nunmehr allerdings keinesfalls mit 3-4 bewertet werden, bestenfalls eine 2 - insoferne eine grosse Enttäuschung.  So wie es scheint wird unter dem Rebennamen Sauvignon blanc mit dem fast identen Etikett ein anderer Wein abgefüllt. Der Abstieg in der Wertung ist eklatant - schade.

Montag, 17. August 2009

Das Tessin und der Merlot

Interessant zu erfahren, war die Tatsache, dass der Merlot erst 2006 sein hunertjähriges Bestehen im Tessin feierte. Wie so oft war auch diesmal die Reblaus und andere Pilze der Grund, dass die Erträge der heimischen Rebsorten einbrachen und man resistentere Weinstöcke suchte. Und so war es nicht ausgemacht, dass der Merlot die bleibende Sorte werden würde. Die Americana (Isabella, Catauba, York-Madeira) war pilzresistent, die Trauben sind frühreifend, dicke Schalen und als Trauben gegessen findet man Weinstöcke auf vielen Bauernhöfen. Zum Weinkeltern aber eher ungeeignet und ein Vergleich mit den elaborierten Weinen verbietet sich. Der Americano (vino rosso) von Matasci Fratelli aus Tenero schmeckte durchaus nach einem Traubensaft, hat kaum Alkoholgrade (10%) und war extrem trocken. Punkteanzahl gibt es keine, weil für mich nicht wirklich ein Wein zum Vergleich. Der Nostrano ist da schon anders, hergestellt aus alten Tessiner Sorten wie Bondola und Freisa. Eigentlich werden alle Rotweine, die nicht Merlots sind als Nostranos (wörtlich: der Unsrige) bezeichnet, sodass eine Rebenbezeichnung unmöglich wird. Zu erwähnen ist noch der Francese, ebenfalls eine pilzresistente Sorte, die sich schliesslich gegen den Merlot nicht durchsetzen konnte.
Merlot:
Castelli Bellinzona – Merlot 2007 DOC (2-3). Aus den klimatisch begünstigteren Zonen im Süden war es: I vini di Guido Brivio – Baiocco/Mendrisio – Merlot 2007 DOC (3) , Azienda Agricola Terreni alla Maggia (Ascona) – Barbarossa – Merlot Reserva 2006 DOC (3-4)

Mittwoch, 12. August 2009

Neuchâtel – Neuenburgersee

Alleine wegen der Umgebung lohnt sich ein Besuch. Der See schimmert türkisfarben und das Städtchen mit seinen Weinlagen oberhalb und ausserhalb der Stadt ist Ausgangspunkt schöner Weinentdeckungen. Zunächst der Besuch der städtischen Weinkellerei (Caves des la Ville de Neuchâtel). Ein Neuchâtel 2008 ist, wie auch als Ortsnamen eines anderen Weingutes der Umgebung immer ein Chasselas (Gutedel). Für mich sind diese Weine am Neuenburgersee eine der Besten, weil sie spritzig und schön gekühlt ein idealer Sommerwein sind. Daher auch für den Neuchâtel blanc 2008 AOC 3 Punkte. Der Roséwein Oeil-de-Perdrix wird aus den Pinot-Noir-Trauben gekeltert und gilt als Traditionswein. Ebenfalls perfekt im Sommer zu trinken, dieser Wein 2008 AOC erhält gleichfalls 3 Punkte.
Eine Ortschaft weiter in Auvernier besuchte ich die Domaine E. de Montmollin Fils. Folgende drei Weine wurden verkostet: Neuchâtel Viognier 2008 AOC (eine Sorte die hauptsächlich im Rhônetal zu finden ist, eher frühreifend, hat eine kräftige goldene Farbe und in der Nase nach süssen Früchten riechend, die aber im Geschmack auf der Zunge sich anders entfalten, trocken mit einer angenehmen Restsüsse) 3 Punkte. Nummer zwei: Auvernier blanc „Non-filté“ 2008 AOC (also ein Chasselas, ungefiltert, die Flasche wurde vor dem Öffnen leicht geschüttelt, die Farbe trüb, sehr spritzig, fast moussierend, jung zu trinken) 3 Punkte. Und zuletzt: „Les deux sauvages“ Assemblage 2007 AOC (also etwas frei übersetzt: die zwei Wilden – ein Cuvé aus Gamaret und Garanoir, sehr erdig, entfalten sicher keine Geschmacksexplosionen im Mund, aber sind trocken und als Begleiter zu einem schweren Essen doch eine nette Abwechslung). (2-3)

Montag, 10. August 2009

A wie Appenzell

Eigentlich denkt man zuallererst an den ausgezeichneten Käse, aber in diesem Kanton gibt es auch Wein. Genaugenommen sind es zwei Halbkantone: Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden. Und die Weinfläche entspricht etwa einem Prozent der ganzen Schweiz. Im Ortsteil Wienacht-Tobel von Lutzenberg AR hat die Familie Lutz ihr Weingut. Die Weinberge sind in Richtung des Bodensees gelegen und so klimatisch begünstigt. Gekostet wurde die klassische Weissweinsorte der Schweiz: Riesling x Sylvaner (eigentlich ein Müller-Thurgauer sie wurde, wie der Namen schon sagt, von Hermann Müller aus dem Kanton Thurgau aus zwei Rebsorten gekreuzt). Ein trockener leichter Weisswein mit dem Namen Landsgmendwy 2008. Die Landsgemeinde ist eine Bürgerversammlung meist auf dem Hauptplatz einer Gemeinde und findet im Kanton Appenzell für Abstimmungen und Wahlen gelegentlich heute noch statt. Trocken ausgebaut war dieser Wein ein idealer Speisebegleiter. (3).

Freitag, 31. Juli 2009

Schweizer Wein (das Proseminar)

In den nächsten Tagen ist das Thema der Schweizer Wein. Ausserhalb der eidgenössischen Grenzen ist der heimische Rebensaft selten zu finden. Zum einen ist die gekelterte Menge gering und wird zum allergrössten Teil im Land selbst getrunken. Zum anderen sind durch Zollvorschriften und einer protektionistischen Gesetzgebung die Ausfuhren stark reglementiert.
Trotzdem bezeichnet sich die Schweiz gerne als Weinland. Ich habe mal gehört, dass in allen sechsundzwanzig Kantonen Wein angebaut wird. Somit haben wir auf einem begrenzten Gebiet eine Vielzahl an unterschiedlichen Sorten und durch die vielfältigen klimatischen Bedingungen auch eine grosse Menge an verschiedenen Endprodukten. Zwar gibt es die Teilnahme an Messen und Verkostungen, aber eine komplette übersicht über den Schweizer Wein ist kaum zu finden. Man muss sich selbst auf den Weg machen.

Geschichte: Natürlich auf die Römer zurückgehend – manche Quellen sprechen von noch älteren Wurzeln, dann über die Erfahrungen der Klöster bis zum Wein in der Flasche heute ist es eine lange Strecke. Vor 1960, wie in vielen Ländern, macht die Reblausplage zu schaffen.

Gebiete: Deutschschweiz (Rheintal vor allem, aber auch andere kleinere Enklaven), Tessin, Wallis, Drei-Seen-Region, Waadt und das Gebiet um Genf.

Rebfläche: insgesamt ca. 15 000 ha

Sorten: Weiss (Chasselas oder Fendant, Silvaner und Riesling/Silvaner)
Sorten: Rot (Pinot noir oder Blauburgunder, Gamay und Merlot)
Autochthone Sorte: Petite Arvine

„Denn um wirklich zu ihr zu gelangen, zur wahren Weinkultur der Eidgenossenschaft, muss man sich zuerst durch einen Berg von Traditionen kämpfen, muss tief eindringen in allerlei Winzergeheimnisse, überlieferungen und regionale Besonderheiten.“ (Wolfgang Fassbender in: Die besten 400 Weingüter der Schweiz; Orell Füssli Verlag Zürich 2009)

Mittwoch, 24. Juni 2009

Wein in Wien 2009

Der Wiener Weinpreis ist das Eine (gute Marketingaktion von Wiener Winzern) - Weinverkostungen mit Winzern ist das Andere. Jedenfalls versucht die Stadt Wien ihren Winzerinnen und Winzern zu helfen und stellt den Arkadenhof des Wiener Rathauses zur Verfügung - dort werden für jeweils ein Euro sechzehntel Gläser mit Wein gefüllt. Diese Attraktion wird erstaunlich gut angenommen, auch beim heutigen weniger günstigen Wetter finden sich viele Menschen ein und trinken Wiener Wein. (Nebenbei die "Ess-Stände" sind lange nicht so gefragt wie die einzelnen "Vinotheken" genannten Kojen.)  Zur Auswahl stehen 125 Weine.
Meine Ausgangssituation ist folgende: Zehn Weine (60 zu 40 weiss/rot). So verkoste ich  nicht ausschließlich die Siegerweine, auch die grossen Wiener Winzer (Edelmoser, Zahel, Christ lasse ich aus) und wähle intuitiv nach meiner Geschmackslust. Finde es schön, dass es Winzerinnen gibt und bevorzuge sie, mal einfach so. Nun zu den Ergebnissen:
Weiss - Grüner Veltliner Kadolzberg (Weingut Hofer) sehr gut trinkbar, als Veltliner bestens erkennbar (3); Sauvignon Blanc (Weingut Irene Langes) wunderbar in der Nase, für einen Wiener Wein erstaunlich (3); Grauer Burgunder (FM Mayer Vitikultur) wenig überzeugend für einen Burgunder (1); Rheinriesling (Weingut Irene Langes) erstaunlich spritzig, leicht bitter im Abgang (2) - Rheinriesling (Weingut Marina Mostbeck) abgerundet, Säure schön eingebunden, für mich auch so wie letztes Jahr Siegerin (3); Rheinriesling (Weingut Jutta Ambrositsch) sehr schön im Abgang, die Wiener Rieslinge sind halt einfach leicht bitter (2).
Rot - Pinot Noir (Weingut Wieninger) zurecht ein Siegerwein, kaum zu glauben, dass Wiener Trauben im Spiel sind, fast metallisch im Geschmack, ein schöner Wiener Rotwein (3), Cabernet Sauvignon Reserve (Weingut Hofer) eher enttäuschend, Bitterkeit im Geschmack, zu wenig Bukett (1), Cuvée Berg (Weingut H.P.Göbel) ein feiner Wein (2), Cuvée Exquisite (Weingut Karl Lentner) fein, abgerundet, noch etwas hart in der "Mitte", vielleicht noch Reife in der Flasche notwendig? (2).
Insgesamt gesehen sind die Wiener Weine nicht so schlecht wie ihr Ruf, sicherlich haben sie andererseits keinen wirklichen Spitzenplatz im Spektrum der österreichischen Weinlandschaft. Das Bemühen ist positiv anzumerken und alle Weine die versuchen, einen durchschnittlichen Wein beim Heurigen zu überbieten, da gebührt Lob und Dank an die Winzerinnen und Winzer.